BarCamp – die Profiteure greifen nach dem Format

Ich glaube es ist Zeit, dass ich mich mal wieder zur allgemeinen Entwicklung von BarCamps melde. Nicht das ich Lust auf diesen Text hätte, aber in der letzten Zeit gibt es Entwicklungen, die nicht nur mir nicht schmecken, sondern auch anderen unangenehm aufgefallen sind.

Es sind ungute Entwicklungen, die nichts mit der Evolution des Formats zu tun haben, sondern wie schon wiederholt geschehen der Versuch, das Format für eigene, kommerzielle Zwecke zu nutzen.

Dabei wird noch nicht mal besonders klug vorgegangen. Es werden zum Beispiel lustig von Firmen über PR-Büros PR-Mitteilungen mit falschen Fakten über das Format versandt, die aus schon falschen Zeitungsartikeln genauso falsch abgeschmiert werden.

Oder BarCamps finden in einem völlig unpassendem Umfeld statt, in dem sich das wirklich spannende niemals wird entwickeln können. Und wieder werden dümmliche PR-Mitteilungen rausgehauen, die im Focus von den verantwortlichen Firmen als Pflichtveröffentlichungen verbreitet werden.

Dabei geraten die eigentlichen Werte die ein BarCamp ausmacht, immer mehr aus dem Blickfeld. Jeder versucht nur noch auf den Hipness-Zug aufzuspringen und Geld zu machen, sich im Glanz des Formats zu sonnen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, warum und woraus BarCamp eigentlich entstanden ist.

Manchmal steckt vielleich noch nicht einmal böser Wille dahinter. Wie man aber weiss, ist gut gemeint oft der Feind von gut gemacht.

Wenn diese Entwicklungen ungbremst so weiter gehen und wir BarCamp den Profiteuren überlassen, dann ist das Format zum Sterben verurteilt. Das wäre unendlich schade!

Chris Messina (einer der Erfinder)  hat in einem langen Artikel beschrieben was BarCamp auch ist: Eine Community Mark (Lesebefehl). Das heisst Formate wie BarCamp gehören uns – und nicht Firmen und schon gar nicht PRlern. Die Marke BarCamp muss von der Community getragen werden. Es bedeutet aber auch, dass nur wenn wir als Community für  die Marke BarCamp einstehen und bei den falschen, weil z.B kommerziellen Vereinnahmungsversuchen einschreiten, BarCamp noch lange das bleiben kann was es ist. Eines der spannendsten, demokratischsten Formate, die es je gegeben hat.

Ich glaube, dass es noch nicht zu spät ist. Holen wir es uns zurück! Dazu gehört, dass wenn Dinge in die falsche Richtung gehen, erst leise und zur Not auch laut drüber geredet wird. Das mit den Füßen abgestimmt wird. Dass man sich zu einer Veranstaltung gar nicht erst anmeldet. Werdet aktiv, redet darüber, zeigt auf wo die Grenzen sind. Ich bin sicher das wird funktionieren!

Ergänzung 17.06.2010:

Aus gegebenem Anlaß möchte ich hier auf ein besonders “schönes” Beispiel hinweisen. Das Conversioncamp (was im Englischen übrigens Camps zu “Konversion” von Homosexuellen in gesunde Menschen sind und oft von christlichen Organisationen durchgeführt wird), entspricht genau dem oben Gesagten in voller Dreistigkeit. Für eine Veranstaltung, die vom Unkonferenz-Prinzip so weit weg ist, wie die Erde von der Sonne, wird frech das Logo eingesetzt und mit, nach meiner Meinung, fadenscheinigen Erklärungen Eintritt genommen. Jeder kann sich selbst ein Bild machen.

Besonders ärgerlich finde ich, dass dort Leute mitmachen, die es eigentlich besser wissen sollten.

Noch eine Ergänzung:

Habe gerade erfahren, dass es bei Conversioncamp schon eine Diskussion gibt, die meine Einschätzung noch unterstreicht.

51 Responses to “BarCamp – die Profiteure greifen nach dem Format”


  1. 1Wilhelm Ruprecht Frieling

    Ich weiß, dass es dem Barcamp-Gedanken widerspricht, aber du solltest wirklich langsam darüber nachdenken, den Namen schützen zu lassen, bevor jemand anderes auf die Idee kommt und sich ungeladen bereichert.

  2. 2marko

    Kannst Du das etwas konkreter machen? Ich war beim ersten Hamburger Barcamp (AFAIK war das das nach Berlin das zweite oder dritte in D) und auch damals war schon zu beobachten, dass es manchen Akteuren innerhalb des Barcamps nur um ihre PR ging. Und auch damals wurde schon dadrüber geklagt.

    Was Du hier beschreibst, sollen aber darüber hinausgehende Handlungen sein? Ich kann mir das so noch nicht vorstellen.

  3. 3Markus

    Wir wollen Namen hören! Wer ist Schuld?

  4. 4Alexander Broy

    Da ist sicher viel Wahres dran und ich, als sowohl PRler, als auch Barcamp-MitOrganisator, fühle mich angesprochen.
    Der Run auf die Barcamps ist aber eigentlich etwas Tolles, oder? Es wird immer einfacher Sponsoren zu finden und es gibt von Jahr zu Jahr mehr Anmeldungen.
    Solange man aufpasst, dass inhaltlich alles unabhängig und demokratisch bleibt, oder sehe ich das zu naiv und hemdsärmelig?

  5. 5Franz Patzig

    @Rupi – das wollen wir mal sehen

    @Markus – keine Namen

    @Alexander – nein, aber ist das so?

  6. 6FooBarCamp

    Da schwingt wieder die Grotzkotzigkeit der “Szene” mit: nur “die Community” weiß, wie ein BarCamp auszusehen hat. Auf der einen Seite beschwert sich “die Community” darüber, dass die “Nicht-Community” keine Ahnung von ihren Ritualen hat, auf der anderen Seite verweigern sie ihnen aber auch daran teilzuhaben oder etwas daran zu verändern.

    Das ist ein bißchen wie mit Bands, die man total toll findet, solange sie keiner kennt oder als würde ich mich beschweren, dass ein nicht-kubanischer Teenager ein Che Guevara Shirt trägt. Was weiß der schon von der Revolution? Die “Elite” will unter sich bleiben.

    Je mehr Leute ein CM für sich beanspruchen, desto mehr wird sich ein CM auch in seiner Bedeutung verändern, wenn es nicht dem entspricht, wie der Großteil der Community es nutzen will. Und das ist durchaus demokratisch.

    Solange “die Community” nicht einfach aufhört, BarCamps selbstständig und im Geiste des Originals zu organisieren, ist das Format auch nicht bedroht.

    Was das Thema “unpassende Locations” angeht, ist “die Community” übrigens auch nicht unfehlbar. Das BCC3 war mit ÖPNV nicht wirklich gut zu erreichen und die Location war definitiv zu klein. Das Verhältnis von Angemeldeten zu Warteliste war 1:1.

  7. 7Tapio Liller

    Mal eine Gegenfrage: Wäre die BarCamp-Idee nicht schon längst im Sande verlaufen, wenn es keine zahlungskräftigen Sponsoren gäbe? Ich bin einverstanden, wenn es darum geht, dass nicht alles, was nach “Open Space” aussieht, gleich “BarCamp” genannt werden sollte. Da bin ich bei Olivers Beitrag. Ich finde es aber etwas, sagen wir riskant, für die Grundidee, aus ein paar (mittelmäßigen bis schlechten!) Pressemitteilungen abzuleiten, dass hier “Profiteure” das Format verwässern.

    Denn jeder BarCamp-Sponsor erhofft/wünscht/verlangt dafür auch einen wie auch immer gearteten Gegenwert. Wenn ein Sponsor sich dann mit PR-Mitteln damit schmücken will ist das sein gutes Recht. Ob er das mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und mit der Sprachregelung der “Szene” tut ist eine andere Sache. Aber da auch bei Barcamps immer mal PR-Menschen wie ich dabei sind, kommt man vielleicht ja auch zu dem Thema ins Gespräch.

  8. 8Franz Patzig

    @FooBarCamp Danke für den Kommentar, stimmt aber nicht.

  9. 9Franz Patzig

    @Tapio: Wenn ich bei einer Organisation beteiligt bin, berate ich die Sponsoren. Da sehe ich mich in der Verantwortung. Dabei geht es auch darum, in welcher Form PR von der Community (und die ist in Deutschland empfindlich) goutiert wird. Keiner hat etwas gegen PR.

    Worum es geht, sind Veranstaltungen, die sich einfach das Label aufkleben ohne eigentlich zu wissen, was reingehört. Da wird reingegriffen wie in einen Esoterik-Baukasten, von hier wird etwas genommen und von da, gerade so wie es passt. Und am Schluß sagen sie: Ich bin jetzt auch ein Hopi-Indianer.

    Das verwässert aber das Format, die Teilnehmer bekommen einen falschen Eindruck und werden evtl. enttäuscht. Oder andere führen es dann genauso fort.

    BarCamps sind gut dokumentiert, es gibt how-tos und man kann immer jemanden fragen, der schon mal an einer Orga beteiligt war. Ich weiss nicht, wie viele Stunden ich dafür in den letzten drei Jahren am Telefon verbracht habe.

    Noch schlimmer sind allerdings die, die es einfach nur machen, um Geld damit zu verdienen. BarCamps sind non-profit und das sollen sie meiner Meinung nach auch bitte bleiben.

    Die Sponsoren sind uns wichtig und teuer. Viele engagieren sich aus Überzeugung, kommen zur Veranstaltung und halten selbst Sessions. Ich bin immer wieder überrascht wie umkompliziert das mit Sponsoren geht, die sich damit einverstanden erklären Geld reinzustecken, minimalst zu werben und überhaupt keinen Einfluss auf die Veranstaltung nehmen zu dürfen.

  10. 10oliverG

    @foobarcamp:

    JEDER aus der Community freut sich, wenn viele Neue bei einem Camp sind. Nenne mir ein Gegenbeispiel.

    Aber: Barcamp ist eben als Community-Brand definiert, sie hat keinen Wächter außer der Community. (Darum. Herr Frieling, würde Franz Patzig, so sehr ihn alle schätzen, binnen Minuten lebend gebraten und andauernden Schaden für seie Reputation davontragen, wenn er versuchen würde, einen Rechtstitel und die Marke ‘Barcamp’ zu erwerben.)

    Barcamps sind nichtkommerzielle Veranstaltungen – weswegen in den USA glaube ich 200$ als Maximalsponsoring gelten, was DORT funktioniert, hier wohl eher nicht – mangels Masse. (Es wäre allerdings einen Versuch wert…200 EUR ODER SDachbeitrag – Sachbeiträge sind IIRC auch in den USA unlimitiert möglich.) – wenn sie kommerzalisiert werden MUSS die Community die ‘Marke’ verteidigen. INsofern ist Franz’ einwurf berechtigt.

    Ich bin die ganze Sache in meinem Beitrag (oben als Tarckback) etwas pragmatisher angegangen und konstruktive Vorschläge gemacht, wie die Zukuft aussehen kann.

    zudem habe ich einige Zeit vor Franz’ Beitrag als reaktion auf die Dinge, mit denen ich unzufrieden war, eine Mailingliste gegründet, die dem austaush von BC_Organisatoren dienen soll.

    Hier: http://groups.google.com/group/barcamps-dach

  11. 11Tapio Liller

    @Franz: OK, das präzisiert deine Position etwas und rückt den PR-Part etwas zurecht. Ich fürchte nur, dass du nicht umhin kommen wirst, konkreter zu werden, was die von dir beklagten Geldmacher angeht. Meine Schnellrecherche führt micht da zwar zu den erwähnten Pressemitteilungen, aber daraus sehe ich nicht direkt ein kommerzielles Interesse. (Oder sehe ich das zu sehr mit der Unternehmensbrille?)

  12. 12oliverG

    @Tapio: In den Pressemitteilungen stehen Community und eent im Hintergrund und das jeweilige Unternehmn im Vordergrund, zudem werden vereinzelt falsche oder peinlich simpel Beschriebene Tatsachen verbreitet.

    Das alles scheint mir (und ich denke auch Franz) das Konzeot BC zu schädigen und scheint dazu dienen zu sollen, das Unternehmen ‘gut aussehen zu lassen’. PR dient ja GANZ am Ende dem Umsatz oder gar Gewinn, oder?

    Wie ich in meinem POst dargestellt habe profitieren Unternehmen extrem vom BC Sponsoring an sich, eine ‘Ausbeutung’ des Events ‘außerhalb’ des events, seiner Teilnehmer und ggf. deren Direktkommunikation scheint mir wneg angemessen bzw. Bedarf der Abstimung mit der Otrga.

    Ich kann mir schwer vorstellen, dass die SMC- oder OWL-BC-Orga von ‘Internetbloggern’ spricht.

  13. 13Frank Huber

    Profiteure, Kommerzialisierung, Vermassung – ja, BarCamps werden “mainstream” wie alles in dieser Welt. Was tun? Ich glaube daran, daß es wenig bringt am Althergebrachten festzuhalten und BarCamp-Romantik zu beschwören. BarCamps sind ein tolles Format, nur sie sollten sich auch weiterentwickeln und “nach vorne weglaufen”. Dann haben Profiteure keine Chance.
    P.S.: Ich hatte ja zu diesem Thema schon mal ein BarCamp der BarCamp-Organisatoren vorgeschlagen – vielleicht sollte man das wirklich mal machen und nach neuen Wegen aktiv suchen.

  14. 14Wilhelm Ruprecht Frieling

    @oliverG Dass unser hochverehrter Barcamp-Minister Patzig »binnen Minuten lebend gebraten« wird, darf keinesfalls zugelassen werden. Überlassen wir also die Marke weiterhin dem »rechtsfreien Raum«.

  15. 15Franz Patzig

    @Frank Huber Ich seh hier nix von Romantik. Und ich sehe auch nicht wirklich Bedarf was am Format zu ändern. Es ist nur eine durch die Teilnehmer organisierte Konferenz, die ein paar einfachen Regeln folgt. An der Orga liegt es den Rahmen zu schaffen und den richtigen Spirit reinzubringen. Der Rest liegt bei den Teilnehmern und die schlagen sich da bisher (mit Ausnahmen) ganz gut.

    Nehmen wir mal das Beispiel Professor Dr. Frieling, der einen sehr guten Vortrag darüber hielt, welche technischen Optionen man hat, ein eigenes Buch herauszubringen. Das Thema war für so ca. 100% der Teilnehmer neu. So lange so etwas von selbst, von den Teilnehmern kommt, weiss ich nicht, was man ändern sollte.

  16. 16Tapio Liller

    @Oliver: Im Fall der Meldung zum BCOWL sehe ich das ähnlich. Der Text ist schlecht bis peinlich und tut weder der Veranstaltung noch dem Sponsor gut.

    Beim SMCBerlin (dessen Entstehung ich in der Ideenphase mitverfolgt habe) und Monetisation Camp (deren Hintergrund ich nicht kenne) sind die beiden in den Räumen der Messe Berlin stattfindenden Themencamps nur zwei Teile einer größeren Veranstaltung. Die Messe stellt die Räume, also kann sie auch darauf hinweisen zwei eher ungewöhnliche Events im Haus zu haben. Die Meldung gibt die Messe ja für sich raus, nicht für die Community.

    Ich gebe dir und Franz ungeachtet dessen absolut recht, dass es wichtig ist, dass sich Organisatoren und Sponsoren über Art, Ton und Inhalte der Kommunikation rund um die Veranstaltung abstimmen.

  17. 17FooBarCamp

    @oliverG “keine Namen” (s.o.) :) aber ich hab letztens noch einen Tweet gelesen, wo jemand darüber die Nase gerümpft hat, dass Keynote Speaker bei einem BarCamp eingeladen werden.

    BarCamps sind imho nur vordergründing nicht kommerziell. In erster Linie definiert sich ‘nicht kommerziell’ ja erst einmal nur dadurch, dass der Veranstalter daran nichts verdient und die Speaker nichts dafür nehmen.

    Für die Sponsoren trifft das nicht zu. Die wollen ihre Marke positionieren und stärken. Das sind kommerzielle Interessen.

    Letzendlich ist ein BarCamp außerdem auch eine Netzwerkveranstaltung. Primär geht man vielleicht wegen der Sessions hin, aber sekundär geht man da hin, um neue (Geschäfts-)kontakte zu knüpfen, seine eigene Reputation zu stärken und/oder Werbung für das eigene Unternehmen zu machen.

    Wenn auf einem BarCamp ein Startup auftaucht, um ihr neues hippes RFID Visitenkarten Gadget in einer Session vorzustellen und es anschließend auch dort verkauft, dann ist das ganz klar ein kommerzielles Interesse und ähnelt eher einer Werbeveranstaltung.

    Wenn ein kleines Entwicklerbüro aus der Umgebung statt mit den BC Shirts mit Shirts rumlaufen, auf denen das Firmenlogo steht, dann ist das Eigenwerbung.

    Ich finde den Begriff “Community Mark” oder Brand allerdings auch recht problematisch. Erst einmal gibt es keine Lizenzregeln oder so etwas, nach denen man beurteilen kann, was noch BarCamp konform ist und was nicht. Bei CC Lizenzen hat man wenigstens noch eine rechtliche Fundierung. CM hat das nicht.

    Zweitens – und das ist noch wichtiger – wer ist denn diese vielbeschworene Community überhaupt, die über die BarCamps wacht? Da existiert vielleicht eine Vielzahl von Menschen mit internet-bezogenen Interessen und vielleicht auch sowas wie ein halbwegs homogener Wertekanon, aber “die Community”? “Die Community” gibt es doch genau so wenig, wie es “das Internet” gibt.

    Wenn es “die Community” aber nicht gibt, dann kann sie auch nicht wachen. Und dass sie nicht wachen kann, zeigt “die deutsche Community” momentan eindrucksvoll darin, dass sie es bisher noch nicht wirklich geschafft hat, ihre Empörung über die Netzsperren wirkungsvoll in die breite Öffentlichkeit zu bringen (schöner Artikel hier: http://www.xtown.net/zensursula-und-die-deutsche-seele.html)

    Um aber mal zum Ende zu Kommen: ich denke, solange BarCamps eine “offene, partizipative Unkonferenz, deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern bestimmt werden” bleibt, ist doch alles in Butter. Ob das Ganze dann gesponsort, gecrowdsourced oder sonstwie finanziert ist, ist mir schnuppe.

  18. 18tobetop

    so, jetzt muss ich doch mal meine 2ct fallenlassen.

    1. ich fühl mich nicht angesprochen!

    2. ich hab damals die Kombination IT-Profits/Online-Profits, Social-Mediacamp und MonetisationCamp zusammengegracht, daher möchte ich (und auch nur weil das Beispiel oben genannt wird) ein paar Sachen klarstellen:
    a) keiner verdient an den beiden Camps! Es gibt mehrere Geldsponsoren, deren Sponsorings direkt in Infrastruktur, Essen und Trinken gehen!
    b) Die Messe sponsort eine Messehalle, ist insofern Locationsponsor. Sie macht Werbung/PR damit (ok, Pflichtmeldung ist nicht so elegant, gebe ich zu und ich hätte bei vorheriger Kenntnis davon abgeraten), hält sich aber aus der ORGA komplett raus.
    c) Das Monetisation Camp ist das zweite seiner Art. Das erste war im Sommer 2008, damals bei zanox. Beide wurden von Sebastian Wallroth organisiert.
    d) Das SocialMediaCamp wird von Jens Best organisiert, initiert wurde es von Sachar Kriwoj und der Startschuss fiel mit ca. 20 Interessierten an dem Camp bei der re:publica (siehe auch Tapio). Dort wurde übrigens sehr laut gefragt, ob jemand Probleme mit dem Veranstaltungsort hat.

    3. Ich find die Idee von Social Media und Monetization Camp in einer Halle neben einer Online-Messe, auf der sich Anbieter aus dem Umfeld präsentieren, weiterhin sehr gut. Wo wenn nicht dort soll denn mal der Austausch über die Szene hinaus stattfinden?

    Was die Sorgen um das Format angeht, bin ich dann doch Befürworter der Selbstregulation. Plumpe Marketingmethoden greifen bei dem Format eh nicht. Ich sehe daher noch keine Gefahr für die BarCamps.

    Disclaimer: Ich blogge aka. bin Freelancer bei der Messe Berlin. Selbiges hatte keinen Einfluss auf obige Aussagen.

  19. 19Franz Patzig

    Da die Diskussion jetzt mal so schön im Gange ist: Natürlich bewegt sich die “Leidensfähigkeit” dessen, was erlaubt ist und zu viel ist innerhalb einer gewissen Bandbreite. Diese liegt bei einigen sehr niedrig, andere sind toleranter. Deswegen kann auch kann auch jeweils nur “gefühlt” bewertet werden, weil es ja eigentlich keinen Code of Conduct gibt oder sonstige, starre Regeln gibt.

    Trotzdem bleibe ich dabei. Wenn ich mich auf unbekanntes Terrain begebe, sprich ein offenes Format benutze, dann muss ich mich informieren. Und wenn ich das nicht tue und jemand dabei wie auch immer auf die Füsse trete, dann muss ich mit Gegenwind rechnen und bestenfalls davon lernen.

    Weiterhin glaube ich, dass sich einige der PR-Rambos (und nochmal Tapio: keiner schert alle über einen Kamm), noch nicht mal darum scheren, ob BarCamp überhaupt markenrechtlich geschützt ist oder nicht. Die lesen einen Zeitungsartikel und glaube sie hätten verstanden. Ich finde die oben verlinkte Idee der Community Mark übrigens bestechend. BarCamp hat einen neuen Weg aufgezeigt, die weltweite, ungebrochene Begeisterung dafür kommt nicht von ungefähr. Wenn man so eine Entwicklung in Gang gesetzt hat, darf man sich getrost auch mit einer Idee wie Community Mark vorwagen und die alte TM/Copyright-Denke ablegen. Wenn sich nämlich keiner um solche Dinge Gedanken machte, dann gäbe es heute noch keine Creative-Commons Lizenzen.

    Es geht darum neue Gedanken in die Köpfe zu bekommen, neue Verhaltensweisen, eine andere Art miteinander umzugehen und letztendlich darum, die Welt auf diese Art ein kleines Stück besser zu machen. Und deshalb müssen diejenigen, die nur profitieren wollen, davon abgehalten werden, das Format zu kapern.

    Auch ich berate Unternehmen, wie sie Unkonferenz-Techniken für eigene Veranstaltungen nutzen können, bestehe aber jeweils auf eine scharfe Abgrenzung zwischen einer kommerziellen Veranstaltung und den offenen, nicht kommerziellen BarCamp-Format.

    Das bringt im Übrigen für die Unternehmen ausschließlich Vorteile, da sie z.B Gäste einladen können, Panels, Keynotes etc. einplanen können, also alles, was nach deren Meinung nicht zu umgehen ist. Das funktioniert sehr gut.

  20. 20oliverG

    @FooBarCamp (Ich frag mich grad warum du hier als einziger deinen namen nicht nenenn kannst;) )

    Ja, ich war Keynote auf dem ConventionCamp, das klar als Mixform deklariert war, um neue Leute für die BC-Idee zu werben. Und hab dafür übrigens Reisekosten bekommen.

    Mixformen bzw. klar abgegrenzte Formen sind OK, wenn sie ebenso klar deklariert sind. Open Spaces an Firmern angetackert sind auch prima.

    Der ‘Schaden’ ensteht, wenn, wie Franz auch skizziert hat, ‘erstbesucher’ denken, sie seien auf nem BC und sind auf nem Firmencamp.

    CM heisst ja auch: Man muss diksutieren wo die Grenzen sind. Dazu gibt es international Strukturen (die barcamp-Mailingliste) und jetzt auch ‘national’ (sowohl Blogs als auch die DACH-BC-Mailingliste, die ich oben erwähnt habe.

    Die soll nicht nur weatchdog spielen, sondern aich KnowHow verteilen.

    Es gab vor Jahrn schein mal kleine reibereien wegen eines WeblogCamps im Rahmen der CeBIT, das war wichtig auszudiskutieren was wie wo geht. (’camp’ ist ungeschützt. ‘Barcamp’ schon, eben durch die Community…)

    Es ist ja auch wichtig für Besuchende, dass sie wissen, wohin sie gehen.
    Innovatibve/alternative Herangehensweisen wie bei der niche09 mit festen aber vorab über die Community ausgewählten Programm begrüße ich durchaus, und ich fine es auch gut, dass man das dann nicht PodCamp nennt…

    @tobetop: Ich glaub wir sind uns einig, bei mir kam die Messe-PM recht schief an. Wichtig wäre es, denke ich, in PMs Ross udn reiter zu nennen: Also Initiator/Orga und ‘Hauptsponor/Gastgeber’.

  21. 21Frank Huber

    @Franz Patzig Ich finde die Diskussion um Offenheit vs. Kommerz sehr gut. Auf der DLD (beileibe kein BarCamp, aber ein Treffpunkt der US-Internet-”Elite”) mit interessanten Leuten unterhalten, die ganz spannende didaktische und diskussionsfördernde Elemente ins Spiel brachten. Daran sieht man, dass hier noch viel machen kann. Eine Beschränkung auf das Bisherige und “Standardformat” finde ich ehrlich gesagt langweilig (bzw. geradezu “konservativ”) und wird dem offenen Mindset der Beteiligten m.E. nicht gerecht. Wir sollten weniger Probleme diskutieren und mehr nach vorne schauen und das Format so weiterentwickeln wie es seinen offenen Wurzeln entspricht. Dazu gehört m.E. auch Professionalität, Veränderungswillen und Innovation.

  22. 22FooBarCamp

    @oliverG ich könnte, aber ich möchte nicht. Für die Kundgabe meiner Meinung ist mein Name unerheblich. Ich bin kein Szene-Schwergewicht und ich mag die Anonymität. Rede und Antwort stehe ich ja (meistens) trotzdem – jetzt geh ich aber erstmal. Heute ist nämlich firmeninternes BarCamp :)

  23. 23Franz Patzig

    @Frank Innerhalb des Formats ist ja auch fast alles möglich und sogar erwünscht! Aber was ist immer mit Professionalisierung gemeint? Wenn du das mal bitte etwas konkretisieren könntest …

  24. 24oliverG

    @Frank

    Ich hatte ja mal versucht das Konzept eines WorkshopCamp ins Spiel zu bringen (ggf. ist das ähnlich wie KinnerNet, ggf aber auch nicht)

    http://blog.oliver-gassner.de/archives/3734-Idee-workshopcamp-other-stuff-links-for-2009-06-02.html

    Das wäre an sich eine Innovation, die durchaus spannend werden könnte. (Wenn man dazu ne Messehalle nimmt, ist ggf auch genug Platz so dass es keien Sessionzahlbeschränkung geben muss. Bei workshopcamp muss man ja ggf Zeug mitschleppen.)

    eine BC-Orga-BC föäden ich deswegen nicht sooo toll, weil es eine Einschränkung im Zugang impliziert. wenn dei re:publca campiger wird (weas ja angedacht war?) könnte man nen 1/2 Tag ggf für sowas mal beiseite tun …

  25. 25Frank Huber

    @Franz Patzig Professionalisierung heisst für mich den wachsenden Ansprüchen und Anforderungen gerecht zu werden. Da geht es 1. um die Infrastruktur / Logistik (ÖPNV-Anbindung ist nur ein Bsp., Badges, Shirts, ein anderes) 2. um die Methodik / Didaktik und 3. um die Finanzierung.
    Den zweiten Punkt finde ich, sorry für das Wort, “strategisch” besonders wichtig. Da BarCamps auf divergentem Denken aufbauen, muss man diese “erforschen” und ausbauen. Alles was laterales, kreatives Denken fördert, könnte man ja mal mit echten “Fachleuten” / Didaktik-Experten besprechen und experimentell umsetzen. Wir sind doch alles Event-/Vortrags-/Didaktik-Amateure, daher wäre hier ein Blick über den Tellerand auf der Basis diesen Formats m.E. ein sehr spannendes Unterfangen. Denn was mir noch auffällt: wir köcheln alle zu sehr im eigenen Sud und die Gesprächsteilnehmer sind meist auch immer diesselben. Lasst uns das mal aufbrechen und lasst mal mehr divergentes Denken zu – sonst schlafen uns die echten Talente irgendwann ein oder gehen zu Konferenzen wie der TED oder gar zum FOO Camp.

  26. 26Franz Patzig

    @Frank ÖNPV ist doch Humbug. Ich habe noch kein Camp erlebt, das nicht mit dem ÖNPV erreichbar gewesen wäre. Und selbst wenn die Verantstaltungsorte ganz weit draussen sind, dann hat das den Vorteil, dass es die Bande zusammenhält und nicht Unruhe durch ein ständiges kommen und Gehen entsteht. Finanzierung funktioniert in der Regel gut, Shirts (nur ein nice-to-have) gibt es auch, wenn eben genug Geld da ist. Und auf Badges pfeif ich sowieso. Bei BarCamps schreibe ich lieber meinen Namen auf ein Stück Gaffer-Tape (und ich weiss, dass es da unterschiedliche Meinungen gibt ; )))

    Ich sehe immer wieder Ansätze und Ideen die ganze Sache zentralisieren zu wollen, einen BarCamp-Orga-Rat, einen BarCamp-Verein und was weiss ich noch was, installieren zu wollen. Diese Ideen lassen mich völlig kalt. Man nennt diese Veranstaltung auch “ad-hoc conference”. Ad-hoc bedeutet “nur für diesen Augenblick gemacht”, “nur zu diesem Zweck”. Man trifft sich, macht etwas und geht dann wieder auseinander und setzt sich dann irgendwann vielleicht wieder neu zusammen. So dezentral wie nur eben möglich.

    Ich kenne solche Bestrebungen allerdings auch nur aus Deutschland. Vielleicht liegt das in der Volksseele – keine Ahnung. Für mich bedeutet eine stärkere Formalisierung dieser Art, einen Rückschritt. Kannst du gerne machen, mich interessiert das aber nicht.

    Was die Inhalte betrifft: Wie vorher schon gesagt, ist innerhalb des Formates alles möglich, da kannst du deine didaktischen und jedes andere denkbare Experiment durchführen. Bloss muss dafür der Rahmen nicht geändert werden. Und wenn du den Rahmen ändern willst, dann kann man sich ja komplett befreien und ganz was anderes machen. Bloss ist es dann kein BarCamp mehr (als Format) sondern etwas anderes, neues. Wer hält dich davon ab?

  27. 27Frank Huber

    @Franz Patzig Ich denke jeder hat da so seine eigene Meinung und die sollte man auch akzeptieren – ich höre bei Dir da so etwas raus wie: bloss nix ändern. Alles muss unkommerziell, ungeplant und spontan ablaufen. Dem stimme ich gerne zu, aber vielleicht täte etwas mehr Struktur und Professionalität dem Format gut. Darüber nachzudenken sollte doch nicht verboten sein, oder?
    Und die amerikanische Volksseele scheint da viel weiter zu sein: ich sage nur Free Software Foundation, Electronic Frontier Foundation, Mozilla Foundation, Wikipedia Foundation, etc. offen gesagt sind das Vorbilder, die zeigen, wie professionell in USA das Thema Community behandelt – und unter uns gesagt – auch politisch vertreten wird. Klar kann man das alles als Hobby sehen, aber vielleicht ist nicht jeder damit einverstanden, immer nur Amateurklasse spielen zu müssen. Jaron Lanier hatte mit seinen Gedanken wenn ich das o.g. lese, eben doch nicht ganz unrecht (für Nichteingeweihte: Jaron Lanier ist ein Kritiker der sogenannten Schwarmintelligenz des Kollektivs).

  28. 28Franz Patzig

    Ich muss dir nicht erklären warum deine Vergleiche hinken, oder?

    Ansonsten verweise ich auf meine vorherige Antwort.

  29. 29oliverG

    @Frank,

    sorry aber den wollte ich immer mal bringen:

    “Dann geh doch rüber!”

    (Redmal mit dem Wikimedia e.V. ob dei immer happy sind, wenn du Vereinsquerelen hoch3 super findest: be my guest, gründe eine Barcamp Foundation und guck wer kommt ;) )

  30. 30Sergio

    Kleine Zwischenfrage. Handelt es sich etwas um den Internetunternehmenr Dr. Frank Huber der bei Stefan Niggemeyer erwähnt wurde?

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dr-frank-huber-internetunternehmer/

  31. 31Franz Patzig

    @Sergio Sehr witzig, trägt aber überhaupt nichts zur Diskussion bei. Nächstes mal überlege ich mir, ob ich das vielleicht lösche. Danke für Dein Verständnis!

  32. 32zeniscalm

    Gerade in den letzten Tagen hatte ich viele Gespräche zu dem Thema – Kommerzialisierung von barcamps und Anpruchsdenken der Besucher.

    Beides sind Bewegungen, die ich genauso wie Franz, sehr schade finde. Und ich rede dabei nicht von den Sponsoren – die sind nach wie vor sehr wichtig und ich denke auch das der Großteil mittlerweile verstanden hat, dass es deutlich besser ankommt sich “dezent” zu präsentieren und offen und ehrlich mit den barcampern umzugehen.

    Persönlich bin ich der Meinung – es muss keine 3 Gänge Menüs auf barcamps geben. Das dieses Anspruchsdenken überhaupt da ist finde ich schade, denn der eigentliche Wert eines barcamps definiert sich über den Inhalt, die Menschen, die Gespräche und nicht über die Größe des Mittagsbuffets.

    Tja und zum Thema Kommerzialisierung enthalte ich mich einfach mal, denn in der Hinsicht hab ich einige echt gefressen.

  33. 33Thomas Koch

    Mal ganz einfältig gefragt: Ich fand das BarCamp in München bei SUN ganz cool. Natürlich hat SUN jetzt für mich ein “Gesicht”, ich war in deren Gebäude, im WLAN und habe in der Kantine Spaghetti gegessen. SUN hat m.E. keinen Einfluß auf den Inhalt des Barcamps genommen. Ist das jetzt blöd gewesen und kein richtiges oder gar mißbrauchtes Barcamp, weil es bei SUN war und natürlich auch einen PR Effekt (gewollt oder ungewollt) auf mich hatte? Oder ist das ok, weil SUN ein Location Sponsor war?

  34. 34Franz Patzig

    Wir lieben unsere Sponsoren und natürlich sollen die Firmen was davon haben, dass sie BarCamps sponsoren.

    Es geht darum, dass die Marke nicht vereinnahmt wird.

  35. 35Jutta

    Wow – was für eine spannende Diskussion. Da merkt man doch, wie sehr uns die BarCamps am Herzen liegen. Als begeisterte Besucherin und auch Organisatorin habe ich mich selber schon über Leute aufgeregt, die Ihre Konferenz einfach xyCamp nennen und so tun als ob. http://junebrenners.wordpress.com/2009/02/13/barcamps-den-barcampern-und-nicht-den-geldmachern/
    DAS geht gar nicht. Ansonsten finde ich es ok, wenn jedes BarCamp ein bisschen auch den Stempel des OrgaTeams trägt, solange hier korrekt und ehrenamtlich gearbeitet wird.

  36. 36Franz Patzig

    @Jutta: AMEN!

  37. 37Frank Huber

    @Jutta Ich kann Dir nur zustimmen. Vielleicht sollte man auch mal erwähnen wieviel Arbeit es ist, ein BarCamp zu organisieren und dass es sich dabei um “Gesamtkunstwerke” handelt. Die fallen halt stets individuell aus – im Namen aller Teilnehmer daher ein riesiges Dankeschön an alle, die sich ehrenamtlich und in ihrer Freizeit – oft neben Familie und Beruf – tage- und nächtelang reinhängen, um wirklich großartige Erlebnisse und leuchtende Augen bei den Teilnehmern zu erzeugen. Der BarCamp-Spirit lebt und wird sich nicht von Kommerzheinis vereinnahmen lassen. Da bin ich mir ganz sicher.

  38. 38Moritz Avenarius (iMo)

    Hallo Zusammen,

    ich sehe mich selbst als „Next Generation Barcamper“. Aktuell organisiere ich meine ersten beiden Camps, das ad(d)camp und das globalfuturecamp. Mache meine Erfahrungen und auch Fehler dabei. Was denke ich normal ist, wenn man etwas Neues ausprobiert.

    Was ich mir wünsche von der Community ist: Offene Rückmeldung, klare Kritik und Vorschläge, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Typischer Lernprozess eben. Und das wünsche ich mir nicht nur für mich, sondern auch allen anderen, die die Fackel des Spirit of BarCamp weitertragen.

    Dazu gehört für mich vorallem der Freiraum, Fehler machen zu können. Meist lernt man am stärksten aus eigenen Erfahrungen. Ich weiß noch genau, wie ich auf dem BarCamp Berlin3 meine erste Session gab, mich tierisch vorbereitet hatte, einen 35min Powerpoint Vortrag hielt. Und danach Stefan Roos zu mir kam, mir anerkennend auf die Schulter klopfte, „Junge, klasse das Du das gewagt hast, weiter so. Aber beim nächsten Mal, weniger Frontalunterricht, mehr Gespräch, dann geht die Hälfte der Zuhörer auch nicht nach 10min.“ Das hatte gesessen. Und mich weiter gebracht.

    Das ist für mich der Spirit of BarCamp: Nicht es irgendwie „richtig“ zu machen, sondern es zu machen. Zu lernen. Und dabei schnell, offen und klar Rückmeldung zu bekommen. Alles darf ausprobiert werden. Was am Ende funktioniert, entscheidet die Crowd. Keiner hat als einzelner die Deutungshoheit. Mich eingeschlossen.

    Und ich meine damit auch wirklich: alles. Mit Anmeldegebühr oder ohne, mit Aufwandsentschädigung für das Orgateam oder ehrenamtlich, mit Namensschilder gedruckt oder selbst gemalt, ad-hoc zusammen kommen oder intensiv vorbereitet sein, oder oder oder. Entscheident ist doch der Prozess, das Learning dabei oder danach. Da bitte ich nochmal um offene Kritik von den alten Hasen, sich einmischen, aktiv werden, die neuen Macher ansprechen. Das ist doch das neue Web, das 2.0. Und wer Kritikresistent ist im Einzelgespräch, der kriegt es sicher anders zu spüren. Und dann bitte Ross und Reiter benennen, aber es nicht bei Andeutungen und Anspielungen belassen.

    Vor einigen Wochen hab ich mich selbst aufgespult und die Macher vom Kirchencamp in Bremen wegen ihrer Vorab-Sessionliste kritisiert (via Twitter). Fass ich mich nun an die eigene Nase, würd ich heute nicht mehr machen. Natürlich ist es doof für die Leute, die das erste Mal auf so eine Veranstaltung gehen und dann diese Erfahrung machen mit einem Camp. Aber die gehen (hoffentlich) noch auf ein 2. oder 3. Camp und machen dann weitere Erfahrungen. Und wenn nicht dann nicht. Auch gut. BarCamps sind schließlich keine „Bewegung“ oder gar „Religion“ (auch wenn es um Spirit geht), für man richtig initiiert werden muss.

    Die Gefahr offener Systeme ist, dass sie durch Missbrauch bedroht sind (kann man schön bei Karl Popper nachlesen). Und der Reiz von BarCamps ist ihre Offenheit. Aber die muss immer wieder aktiv erarbeitet werden. Ich erlebe die derzeitige Situation als super spannend. Die BarCamp-Idee erschließt sich neue Kreise von Interessenten und Machern, es gibt eine Vielzahl von Themencamps. Durch die Neuen kommen klaro auch neue Ideen, Veränderungen, aber auch „alte“ Konferenzgewohnheiten, Konsumhaltungen, Sicherheits- und Kontrollbedürfnisse es doch irgendwie zu regeln. Alter Wein in neue Schläuche.

    Die Neulinge haben leider nicht immer einen Stefan Roos zu Seite, der nach einem durchgeführten BarCamp auf die Schulter klopft und sagt: „Schön das Du es gewagt hast. Beim nächsten Mal empfehl ich Dir das und das anders zu machen, dann wird es noch besser“. So einen Mentor wünsch ich mir für uns alle „Next Generation BarCamper“. Einen CampKirk.

    Auf geht’s, gemeinsam neue Welten entdecken!

  39. 39Franz Patzig

    Puh! Irgendwie scheint es da immer noch Verständnisprobleme zu geben:

    1# BarCamp ist ein Format für das bestimmte Regeln aufgestellt wurden (Rules of BarCamp, siehe hier). Wenn man dieses Format also verwendet, dann soll es bitte auch nach diesem Regelset gespielt werden. Es kommt keiner drauf, am den Regeln von OpenSpace oder sonstigen Formaten rumzuschrauben die gut funktionieren. Wenn jemand etwas anderes machen will, dann steht ihm das frei – nur dann soll er verdammt noch mal nicht mit dem BarCamp-Format hausen gehen, sondern es einfach anders nennen.

    Das Problem ist nur, dass man dann nicht von der Bekanntheit profitieren kann, sondern die ganze Mühe für den Aufbau eines neuen Formats hätte. Und da denken diejenigen, die einfach vom Hype profitieren wollen nicht im Traum daran. Und das sind die Profiteure. Und die mag ich nicht – und die werden das zu spüren bekommen.

    Das ist keine Beanspruchung einer Deutungshoheit, sondern einfach die Verteidigung des Formats vor Verwässerung.

    2# BarCamp soll offen für jeden sein. Deshalb keine Einschränkungen wer sich anmelden darf, deshalb keine Eintrittsgebühren nach Möglichkeit (und bisher war es ja immer möglich). Die Teilnahmegebühr ist Partizipation (Zitat whurley), in welcher Form auch immer. Und diese Teilnahmegebühr sollte von allen gezahlt werden.

    Mitarbeiter einer großen Firma haben schon mehrfach ein internes BarCamp veranstaltet und das auch so genannt. Das Wissen das auf BarCamps ausgetauscht wird, soll aber der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Wo bitte finde ich das? Nirgends, denn es existiert nicht, zumindest nicht öffentlich. Was mich hier allerdings milde stimmt, ist, dass die wenigstens nicht öffentlich damit hausieren gehen. Ich habe am Dienstag Abend mit einer der Organisatoren gesprochen (den ich schon länger kenne) und es ihm nochmals erklärt. Ich bin dabei mit meiner Argumentation auf keine großen Widerstände gestoßen (@FooBarCamp: Du weisst wovon ich rede).

    Zitat aus der englischen Wikipedia, (die deutsche ist von den Mods zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden):

    Venues typically provide basic services. Free network access, usually WiFi, is crucial. Following the model of Foo Camp, the venue also makes space for the attendees, a.k.a. BarCampers, to literally camp out overnight. Thus, BarCamps rely on securing sponsorship, ranging from the venue and network access to beverages and food. Attendance is typically monetarily free and generally restricted only by space constraints. Participants are asked, though, to sign up in advance.

    und

    While loosely structured, there are rules at BarCamp. All attendees are encouraged to present or facilitate a session. However this can be intimidating and unwelcoming. Everyone is also asked to share information and experiences of the event, both live and after the fact, via public web channels including (but not limited to) blogging, photo sharing, social bookmarking, twittering, wiki-ing, and IRC. This open encouragement to share everything about the event is in deliberate contrast to the “off the record by default” and “no recordings” rules at many private invite-only participant driven conferences.

    Zugegebnermaßen muss am Übernachten noch gearbeitet werden, da kaum mit deutschen Firmen zu machen. Da hat BarCampRuhr allen anderen etwas vorgemacht.

    @Moritz: Ob BarCamp eine Bewegung ist oder nicht: Lies das mal!

  40. 40Oliver

    @Franz: OK, Fucamp war nach Ruhr, da haben wir auch in der Venue übernachtet (plus Hotels gesponsort), BC Bodensee letztes Jahr hat IIRC erstmals bei einem non-theme-Camp Übernachtungsplätze gesponsort (udn Fahrräder verliehen ;) ) (da musstest du ja in Asien rumspringen ;) )

    Ggf. sind UNis gar keine so schlechten Gastgeber. Vor allem socleh außerhab der zentren.

    Ich bin inzwischen Fan von ‘Campen im Grünen’.

  41. 41Sebastian Küpers

    Servus – hab die ganze Diskussion durch Hinweise dritter soeben entdeckt, da ich mich heute dazu motiviert fühlte, wieder ein Berliner Barcamp auf die Gleise zu bringen mit neuen (alten) Regeln.

    http://pixelsebi.posterous.com/barcamp-berlin-reloaded-ein-vorschlag

    Ich würde sagen: lasst uns doch einfach die Dinge für uns selbst so gestalten, wie wir Spass daran haben und gut is ;)

  42. 42oliverg

    Hi Sebi,

    das ‘Problem’ sind ja nicht die normalen Barcamops und eren sponsoring und IMO nicht mal derebn ‘Passive’ (obwohlö: je höher die Zahl desto…)

    Das Problem sind Firmen-Open-Spaces, die sich als Barcamp bezeichnen.

    Tghese: wenn 90% der kleutet satt auf ‘normalen’ Camps auf Hausmessen mit OpenSpaces waren, dann … wär das nicht so ideal.

    Mein ‘Problem’ mit deinem Konzept habe ich ja angemerkt: du brauchst dann ne Jury.

    Was ich gut finde: ‘Langsessions’ ich hatte ja über ein ‘WorkshopCamp’ nachgedacht.

  1. [...] der Community und das muss so bleiben BarCamps are a somewhat endangered species here in Germany, writes Franz Patzig, one of the pioneers of the BarCamp scene here in Germany. Reasons are wrong PR about what a [...]

  2. BarCamp – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft…

    In seiner unnachahmlich charmanten Art hat Franz Patzig ein paar klärende Worte zum Thema “Barcamps heute” gefunden:
    BarCamp – die Profiteure greifen nach dem Format

    Er nennt ein paar Dinge, die auch mich in letzter Zeit gestört haben. …

  3. [...] sagt mal offen, was mir auch immer mal wieder auffällt: BarCamp – die Profiteure greifen nach dem Format. Die Reaktionen von Oliver und Christian sind auch einen Blick wert, wenn auch der echte Lacher in [...]

  4. SocialMediaCamp Berlin 2009 – Tag 1…

    Das #smcb09 steht in den Startlöchern. Das SocialMediaCamp findet in einer Messehalle der Messe Berlin statt, die somit als Location-Sponsor auftritt. Parallel finden das MonetisationCamp und die Messe IT-/Online-Profits statt.
    Diese Konstellation bewi…

  5. [...] In einem Blogpost macht sich Franz Patzig rund ums Thema BarCamps Luft. Der BarCamper der ersten Stunde sieht die Un-Konferenzen zunehmend in der Hand von Unternehmen und PR-Agenturen. Vor allem stößt ihm sauer auf, dass der Begriff fürs eigene Marketing missbraucht werde und die eigentlichen Werte der BarCamps als offene Veranstaltungen nicht zum Tragen kommen. [...]

  6. [...] Intelligence that you can easily train and adapt to your own needs. (tags: semantic web AI) BarCamp – die Profiteure greifen nach dem Format at franztoo (tags: batcamps icommented) Denticator Stats tool (tags: identica tools) Walls (tags: twitter [...]

  7. BarCamp gekapert?…

    Auf die Schnelle ein kurzer Hinweis inklusive Links:

    Franz Patzig hat eine Diskussion über die feindliche Übernahme von BarCamps in Deutschland entfacht: BarCamp – die Profiteure greifen nach dem Format, vor allem lesenswert: Die Kommentare! Reaktio…..

  8. Kommerz bei den Barcamps…

    [...] Barcamps scheinen eine neue Schadstoffklasse erreicht zu haben: Zunehmend mehr Blogger und Barcamp Veteranen können sich [...]…

  9. [...] for 2009-07-29 BarCamp – die Profiteure greifen nach dem Format at franztoo (tags: icommented barcamps) Barcamp Berlin Reloaded – Ein Vorschlag – pixelsebi's posterous [...]

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