Bloggen bei den olympischen Spielen ist nicht verboten
Die von einigen Blogs verbreitete Behauptung, Bloggen sei für Mitglieder der Mannschaften während der olympischen Spiele verboten, ist so nicht richtig. Vom IOC wurden schon vor längerer Zeit die “IOC Blogging Guidelines” (PDF) herausgegeben, die zwar Einschränkungen beinhalten, das Bloggen jedoch als eine legitime Form des persönlichen Ausdrucks betrachten und nicht als Form von Journalismus.
The IOC considers blogging, in accordance with these Guidelines, as a legitimate form of personal expression and not as a form of journalism. Therefore, the IOC does not consider that blogs by Accredited Persons, in accordance with these Guidelines, will compromise Paragraph 3 of Bye-law to Rule 49 of the Olympic Charter which states that “Only those persons accredited as media may act as journalists, reporters or in any other media capacity”.
Man kann dem IOC bestimmt viel vorwerfen, hier aber gibt es klare, wenn auch mit unschönen Einschränkungen behaftete, Richtlinien. Das Verbreiten von halbgaren Tatsachen durch Blogger (hier, hier und hier), halte ich für viel problematischer. Sorgfalt kann man auch hier erwarten, besonders weil im TAZ-Artikel auf den man sich bezieht, kein Wort von einem Blogging-Verbot in Peking steht.
Auch die Wellen um das Verbot von professionellem Foto-Equipment verstehe ich nicht. Das ist für Sportveranstaltungen dieser Dimension normal, man erinnere sich an die Container vor den Stadien bei der Fussball WM, die vollgestopft mit teurer Optik der Unwissenden waren. Großveranstaltungen sind ein Riesengeschäft und weder die FIFA noch das IOC lassen sich da die Butter vom Brot nehmen.
Siehe auch: Bloggen über die olympischen Spiele
Ich empfehle zum Thema Olympia auch folgendes Blog: Jens Weinreich


Nun, das IOC schreibt in den Guidelines aktiven Sportlern vor, in welchem Maß sie über ihr Erleben dort kommunizieren dürfen. Das ist völlig legitim und deutlich geregelt z. B. was die Regularien mit den Sponsoren angeht. Indes in einigen anderen Bereichen schleicht sich sehr wohl das Gefühl ein, hier soll doch bitteschön über Bereiche nicht gebloggt werden – und wenn nur im Rahmen des wohlschmeckenden «good taste» – wo sich überhaupt erst größtmögliches Kritikpotential böte. Und da habe ich sehr wohl ein Problem mit dem, was ich unter üblicherweise unter Meinungsfreiheit verstehe.
Im taz-Artikel steht kein Wort über ein explizites Blog-Verbot, das muss auch gar nicht. Wer selber bloggt und wer die Guides liest, dem ist klar, dass es nichts mehr gibt über das man bloggen darf. Absatz 1 in «Personal Information» funktioniert nämlich ganz klar in Berücksichtigung aller anderen Artikel im Guide nicht. Der Guide ist ein einziges «don’t do it!» und damit sollte man schon auch ein Problem haben. Insbesondere unter Berücksichtigung des besonderen Veranstaltungsortes mit den bekannten Problemen in der Kommunikation, die von diesem Land vorgegeben sind.
Dazu die Frage, was tatsächlich überhaupt davon noch durch die seitens der chinesischen Regierung definierten Firewalls durchginge.
Was die Kamerathematik angeht, ja, sie verbieten nur die Nutzung von Spiegelreflexkameras. Das ist aber letztendlich Schwachsinn, weil bei der Größe der Veranstaltungsorte bei der Qualität der Fotos weniger das Equipment als der Sitzplatz entscheidet. Insofern kann ich auch mit einer halbwegs guten Kompakten von einem guten Platz aus die allerbesten Fotos machen. Was soll das also?
Nein, tut mir leid. Wir können uns gerne darüber streiten, ob irgendwo explizit steht «Du darfst nicht bloggen!» oder ob es reicht, dass es überall zwischen den Zeilen steht. Im ersten Fall magst Du Recht haben. Im zweiten Fall geht der Punkt an mich (und diverse andere Blogger, die meiner Auffassung sind.)
@creezy
Keine Frage: auch in meinen Augen sind weder IOC, noch FIFA, noch ähnliche Vereine Sympathieträger, denen man abnimmt es gehe ihnen rein um die Ideale des Sports oder für was auch immer sie stehen.
Trotzdem halte ich das Verbreiten von unrichtigen Fakten für kontraproduktiv, weil das Angriffsfläche bietet. Dazu kommt, das unsere Medien sich zu großen Teilen dazu verstiegen haben, ebenfalls Halbwahrheiten und nicht ausreichend überprüfte Fakten zu verbreiten.
Ich habe bei vielen China Besuchen durchaus ein anderes Land kennengelernt, ohne natürlich die Probleme, Ungerechtigkeiten, Grausamkeiten und Unterdrückung leugnen zu wollen oder zu können.
Ich sehe ein grundlegendes Problem darin, das alles mit unseren westlichen Maßstäben gemessen wird und sich viel zu wenig Mühe gemacht wird, die Kultur und die Hintergründe des Handelns zu verstehen. Das ist keineswegs eine Rechtfertigung für das was dort teilweise geschieht sein, sondern es sind Beobachtungen und Erkenntnisse.
Wo Du das mit Spiegelreflexkameras her hast, ist mir auch ein Rätsel. Laut der entsprechenden offiziellen Seite der olympischen Spiele ist von “professional camera equipment” die Rede ( http://en.beijing2008.cn/goodluckbj/others/n214314728.shtml ). Wo hier die Grenze gezogen wird ist also noch nicht ausgemacht.