
photo by somefool (old school)
Seit über 15 Jahren benutze mich Apple Computer, angefangen hat es mit einem IIci und seither habe ich 11 verschiedene Modelle besessen, meistens einen Desktop und ein tragbares Modell gleichzeitig. Ich habe mich verschuldet (z.B für den unterperformanten Quadra 840AV), habe evangelisiert (oder es zumindest versucht) und habe ein kleines Vermögen für Sharewaredownloads per Modem von einem BBS ausgegeben, zu Zeiten, als man hier kaum an Software rankommen konnte. Das war mir alles egal.
Apple war immer cool, immer arrogant aber wohl niemand kann abstreiten, das Gefühl der Exklusivität, des Rebellischen und Besonderen genossen zu haben. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist ein unverwechselbares Design dazugekommen, welches sich später auch noch zur Zeitlosigkeit weiterentwickelt hat. Die Diskussion um die Fortschrittlichkeit der Betriebssysteme ist müßig.
Selbst mit der steigenden Popularität, der Einführung von iPod, iTunes, bezahlbaren Computermodellen ist keine “Verhamburgerisierung” der Marke aufgetreten, Apple blieb weiterhin cool und verlor nichts von seiner Strahlkraft – im Gegenteil, der Wert stieg.
Womit man aber wohl nicht gerechnet hatte, war die Demokratisierung des Internets und die Entwicklungen, die “Web 2.0″ so mit sich brachte. Die User wollten jetzt Offenheit und einen Anteil an der Herrschaft über die Systeme. DRM, nicht auswechselbare Batterien, Apple Produkte als Umweltbomben begannen am Image zu kratzen. Zuletzt stieg dann König Steve auf die Bühne, präsentierte eine Revolution und schockte die Entwickler, indem er verkündigte, dass das iPhone ein geschlossenes System bliebe auf das nur sein engster Hofstaat Zugriff habe.
Nun begannen selbst die eingefleischtesten Fans öffentlich zu nörgeln, die Opinion Leader, diejenigen, die auf jedem Foto mit einem von Stickern verzierten Laptop durchs Bild liefen. Die Evangelisten wurden sauer. Robert Scoble beispielsweise antwortete auf den offenen Brief von Steve Jobs, in dem er das Cash-Back für die ersten iPhone Käufer verkündete:
Me, I’d like to let you keep the $100 per iPhone you so generously are going to give me and other early adopters who bought the iPhone.
Here’s what I’d like for my $300.
I’d like an iPhone where software developers can go to town and play.I’d like an SDK. A real one. One where we can build apps that talk to the accelerometer in the iPhone. One where we can install apps like the very cool Google Maps or Yahoo Finance apps that are on the iPhone’s home screen.
Weltmarktführer Nokia startete sogar eine hämische Anzeigenkampagne, mit den Claims: “Phones should be open to anything” und “the best devices have no limits”.

photo by engadget
Von diesem Zeitpunkt an war klar, dass sich Apple auf einer sehr dünnen Linie bewegt und das sich etwas tun musste. Eigentlich hat es mich sogar gewundert, dass es so lange gedauert hat, bis Apple gestern verkündet hat, dass es ein Software Development Kit für das iPhone und den iPod touch geben wird.
Dieser Schritt war richtig und schmerzt Apple bestimmt, gibt man doch jetzt die vollständige Kontrolle, die man gerne behalten hätten, auf. Auch bleiben, wie fscklog richtig schreibt, die Details wie diese Schnittstelle aussehen wird natürlich offen.
Trotzdem hat man wieder es geschafft, entgegenzusteuern und die User zu befriedigen. Eine gute Entwicklung, dass sich selbst Apple nicht mehr den Wünschen seiner Kunden gänzlich verschliessen kann.
Davon zeugen zu viele offene Briefe von Steve Jobs in letzter Zeit. Ein harter Lernprozess für Apple, aber glücklicherweise ist der Willen zu erkennen, etwas zu tun – und zwar das Richtige (wenn auch nur unter Druck)
2 Responses to Apple bekommt wieder mal die Kurve
Pingback: University Update - DRM - Apple bekommt wieder mal die Kurve
Thomas.S | 19. Oktober 2007 at 18:06
So weit ich mich erinnere, erwähnte Steve Jobs bereits in der Keynote zur iPhone Vorstellung, dass es irgendwann auch ein SDK geben wird. Er sagte, glaube ich, man solle Geduld haben, die Entwicklung des iPhones habe Vorrang vor den Tools dafür gehabt. (Und die Entwicklung hat ja sogar 10.5 verzögert.)
Also kann von einem Einlenken oder einem schmerzhaften Schritt wohl eher nicht die Rede sein. Und etwas anderes wäre ja auch eine Überraschung gewesen, von einer Firma, die zu den Vorreitern der Öffnung zu OpenSourceSoftware (BSD, Apache, …) gehört.
Anderreseits: Genommen ist die Kurve noch nicht, nur versprochen. Und, mit nettem Seitenhieb auf Nokia, auch schon eine Beschränkung/Regulierung angekündigt. Man wird sehen …