Mondlandung – ich war dabei

Es gibt ja Dinge, die man nie vergisst im Leben. Die Mondlandung ist so eine – und es ist auch eine der ersten Erinnerungen, die ich überhaupt habe.
Im zarten Alter von vier Jahren (now do the math) bin ich mitten in der Nacht wach geworden. Ich habe es gehasst, weil das Zimmer, das ich mir mit meinem Bruder teilte, immer stockdunkel war. Damals war es bei Eltern wohl noch en vogue, die Birne aus der Deckenlampe rauszudrehen, auf das die lieben Kleinen den Schlaf der Eltern nicht durch frühmorgendlichen Streit unterbrechen.
Wenn ich dann doch einmal in der Nacht wach wurde, musste ich mich immer an der Wand entlang tasten, um die Tür zu finden und dem Kinderzimmer zu entfliehen. Ich kann immer noch die Rauhfaser unter meinen Händen spüren und auch der Klang meiner über die Tapete streifenden Hände ist mir im Ohr geblieben.
Meistens war ich auf der Suche nach dem Bad in der riesigen Wohnung, die allerdings genauso dunkel war wie das Kinderzimmer. Und die Lichtschalter schienen nachts verschwunden zu sein. Manchmal landete ich dann in der Küche und der Mülleimer war die letzte Gelegenheit irgendwo reinzupinkeln, wenn ich das Badezimmer verpasst hatte. Tagsüber waren die doofen Lichtschalter natürlich komischerweise wieder da. Aber da ich zu dieser Zeit auch noch an Monster und Hexen glaubte (unser Kindermädchen war übrigens beides in Personalunion), kam mir das nächtliche Verschwinden der Lichtschalter, ehrlich gesagt, nicht besonders komisch vor.
In dieser einen Nacht war aber alles anders. Ich weiss nicht mehr, warum ich überhaupt aufgestanden bin, warum ich den Weg rechts genommen habe statt wie sonst immer links und warum ich nach langer Streiffahrt and Wänden, Schränken und Heizungen am Einschaltknopf unseres schwarz-weiss Fernsehers gelandet bin.
Nachdem der Knopf gedrückt war, fing der Fernseher erst laut an zu brummen und brauchte mindestens eine Minute, bis sich das Bild aufbaute. Erst mit einem hellen Punkt in der Mitte, dann sich dann langsam ausbreitend und einem Fernsehbild mündend.
Und dann sah ich sie: Die Astronauten, die in weissen Raumanzügen fast schwerelos umherhüpften. Die Sprache die ich nicht verstand, immer unterbrochen durch ein Piepen. Ich weiss noch sehr genau, dass ich unendlich fasziniert war.
Mein Vater wurde irgendwie auch nach einer Weile wach und kam ins Wohnzimmer. Anstatt mich aber, wie bei sonstigen Anlässen (zum Beispiel beim in den Mülleimer pinkeln) in mein Zimmer zurück zu scheuchen, nahm er mich auf seinen Schoß und schaute sich schweigend gemeinsam mit mir, die sonderbaren Männer im Mond an. Wunderschön war das!
☄
Hier kann man sich die Funksprüche anhören und ganz die Reise zum Mond noch einmal in Echtzeit erleben (via Anke Gröner). Bei Boston.com eine (wie immer) atemberaubende Bildergalerie aus dieser Zeit.

Mensch Franz,
da läßt uns aber tief blicken in Deine Kinderseele … toll, danke fürs teilen! Ergreifen …
Bleibt nur der “anerkennende Neid” eines Spätgeborenen wie mich (Jahrgan ‘71) an Dich das miterlebt haben zu dürfen.
Die Raumfahrt überhaupt und die Mondlandung speziell waren die großen Themen auch meiner Kindheit. Als ich vor 10 Jahren in Washington DC im Smithsonian Museum für Technik die orginale Kapsel der Apollo 11 sah, bin ich voller Ehrfurcht in die Knie gegangen … krieg jetzt noch feuchte Augen, wenn ich bloß dran denke. My alltime heroes.
Der Mo
Wow,
schreibe nie Kommentare und bin durch Zufall im Blog gelandet, aber wie mein Vorredner schon schrieb: Danke fürs teilen.
Bin großer Weltraumfreund und erst ´83 geboren – also ziemlich neidisch. Toll geschrieben, hatte ne kleine Zuckung im Herzen.
Many thx,
Oleg.